Aktualisiert am 04.03.2020
1. Einführung

Fünf Wege um Programmieren zu lernen

Es gibt im Wesentlichen fünf verschiedene Wege, um eine Karriere als ProgrammiererIn zu starten: Das Studium ist wohl der Klassiker – und es gibt neben der Informatik jede Menge Studiengänge, die der erfolgreiche Beginn einer Programmierkarriere werden können, sowohl an der Uni, als auch an der Fachhochschule. Neben einem reinen Studium gibt es auch die Möglichkeit eines dualen Studiums zum Medieninformatiker, das Elemente einem Studium und einer Ausbildung in einem Unternehmen vereint. Natürlich ist auch die klassische Ausbildung – zum Beispiel zum Mediengestalter – eine Möglichkeit. In letzter Zeit relativ großer Beliebtheit erfreuen sich Bootcamps, wo du in wenigen Wochen oder Monaten Vollgas gibst versuchst das Maximum aus dieser Zeit herauszuholen. Und nicht zuletzt gibt es natürlich die Möglichkeit, sich das Programmieren im Selbststudium beizubringen – ich für meinen Teil bin der Beweis, dass das sehr gut funktionieren kann.

Egal welchen dieser Wege du am Ende gehen willst, die folgenden Voraussetzungen solltest du mitbringen:

Zeit, Zeit, Zeit

Wie bei jeder anderen Fähigkeit auch macht beim Programmieren Übung den Meister. Je mehr Zeit du hast, desto besser wirst du auch. Du wirst schnell Fortschritte erzielen und Ergebnisse vorweisen können, aber wenn du Programmieren wirklich lernen und meistern möchtest, solltest du genug Zeit mitbringen und Lust haben, diese in die Programmierung zu investieren.

Motivation

Wenn du dir Programmieren selbst beibringen möchtest, ist es fast unabdingbar, eine starke Motivation mitzubringen – oder die Fähigkeit zu haben, dich selbst zu motivieren, falls es gerade mal nicht läuft wie am Schnürchen.

Wissensdurst und Freude am Lernen

Du solltest gerne Lernen und einen gewissen Wissensdurst mitbringen, ganz egal ob du dir Programmieren selbst beibringst oder studierst. Die Software-Entwicklung ist ein weites Feld, es gibt endlos viel zu lernen und du solltest Freude daran haben, niemals ausgelernt zu haben.

Spaß beim Programmieren

Vielleicht die wichtigste Voraussetzung für das Programmieren lernen ist der Spaß daran: du solltest natürlich gerne mit und am Computer arbeiten und Spaß daran haben, Probleme zu lösen, Dinge zu bauen und Code zu schreiben. Im Vornherein weißt du das vielleicht noch nicht, aber du solltest schnell rausfinden, ob das der Fall ist. Programmieren ist eine großartige Sache und sollte Spaß machen. Und das kannst du auch durchaus herausfinden, bevor du eine Ausbildung oder ein Studium beginnst!

Überall ein Häkchen gemacht? Was nun?

Welcher Weg der richtige für dich ist, hängt von vielen Faktoren ab: das Bootcamp zum Beispiel ist vergleichsweise teuer, für das Studium brauchst du mindestens eine Fachhochschulreife und für das Selbststudium Disziplin und Durchhaltevermögen. Es gibt keinen goldenen Weg und am Ende führen viele Wege nach Rom. Ein Studium ist eher theoretisch, eine Ausbildung eher praktisch, ein Selbststudium läuft so wie du es willst – und doch sind wir am Ende alle Programmierer, die auch nur mit Wasser kochen. Das Entscheidende ist nicht, wie du Software-Entwicklung ursprünglich lernst, sondern dass du nie mit dem Lernen aufhörst und die Programmierung so viel wie möglich praktisch einsetzt.

Es zählt nicht wie du es gelernt hast, sondern was du kannst

Als ich zur Schule gegangen bin, wurden wir regelrecht bombardiert mit der ewigen Litanei um Lebenslauf und Zeugnisse. Jede Note zählt, jede auch nur tagelange Lücke im Lebenslauf würde am Ende Fragen aufwerfen und möglicherweise verhindern, dass wir einen ordentlichen Job bekommen.

Heute, nachdem ich über zehn Jahre Berufserfahrung habe, muss ich sagen, dass die Realität anders aussieht. Für meine Zeugnisse hat sich nie jemand interessiert, und meinen letzten Job hab ich mit einer fünfzeiligen Email bekommen. Was die Leute im wahren Leben interessiert, sind nicht Noten oder Zeugnisse, sondern was Du kannst.

In diesem Sinne sprechen Taten mehr als tausend Worte: und ein Portfolio an aussagekräftigen Projekten macht auf einen Kunden oder einen Arbeitgeber mehr Eindruck als jedes Zeugnis es jemals könnte. Und das Beste: das muss nicht einmal professionelle Arbeitserfahrung sein — selbst ein Hobby-Projekt kann hier schon mächtig Eindruck schinden.

Portfolio statt Zeugnis

Und selbst wenn Du studierst: am Ende des Tages entscheiden auch hier deine Fähigkeiten darüber, ob du einen Auftrag oder einen Job bekommst oder nicht. Je mehr handfeste Erfahrung Du vorweisen kannst, umso besser. Also scheue Dich nicht, Projekte anzufangen, selbst wenn diese am Ende doch nur halbfertig im Papierkorb landen. In einem Bewerbungsgespräch könnte Dich jemand fragen ob Du zum Beispiel schonmal mit Technologie XY gearbeitet hast — und selbst wenn Du das nur im Rahmen des Projekts getan hast, das im Papierkorb gelandet ist, spricht das klar für Dich.

Wenn du also keinen Bock auf viele Worte hast und lieber anpacken möchtest: zumindest Programmieren lernst du definitiv auch ohne Studium. Natürlich kann ein Studium der Informatik sicher nicht schaden. Aber ein Studium ist weder notwendig, um ein guter Programmierer zu werden, noch um einen guten und hervorragend bezahlten Job zu bekommen.

Über die Jahre hab ich mit vielen anderen Programmierern zusammengearbeitet, und viele Leute aus beiden Lagern kennengelernt: Quereinsteiger und Autodidakten wie mich selbst, studierte Informatiker und auch einige Leute mit einer Ausbildung zum Fachinformatiker oder Mediengestalter.

Am Ende gilt in der Software-Entwicklung nicht, was du studiert hast oder auf einem Zeugnis steht, sondern was du kannst. Es mag Arbeitgeber geben, die großen Wert auf ein abgeschlossenes Studium legen, aber ich habe bisher den Eindruck gewonnen, dass man es als Programmierer ohne Studium nicht schwer hat, einen gut bezahlten Job zu bekommen – umso mehr, wenn man gut ist. Und noch mehr, wenn man das durch Arbeitserfahrung und ein breites Portfolio an abgeschlossenen Projekten beweisen kann.