Aktualisiert am 23.01.2020
8. Gastbeiträge

Ein Studium ist doch was wert

Gastbeitrag von Lucas Solcher

Ich musste ein wenig schmunzeln als ich die Artikel gelesen habe. In vielen Dingen kann ich Dir nur zustimmen (Google ftw!), in anderen habe ich eine andere Meinung. Aber dazu später mehr.

What, wer bist du denn?

Ich war lange Zeit Langzeitstudent: Ich habe meinen Bachelor in Politikwissenschaft nach geschätzten 10 Semestern abgeschlossen, nur wusste ich nicht was ich damit anfangen sollte. An dem Tag, als ich mein Zeugnis gekriegt habe, hat mich eine Freundin gefragt, warum ich es denn nicht mit dem Programmieren probieren will. Und weil ich nichts Besseres wusste, dachte ich mir "klar, warum nicht". Also habe ich nochmal einen Bachelor und auch einen Master in Informatik gemacht und kann mich jetzt seit Kurzem stolz "Software-Developer" nennen. Ich habe in meinem Studium und bisherigen Jobs vor allem mit Java programmiert, entwickle mich aber gerade mehr in die "Fullstack"-Richtung und benutze auch viel Javascript und Vue.

Das Sinn und Irrsinns des Studiums

Programmieren an der Uni zu lernen hat seine Vor- und Nachteile, und für manche Menschen ist es der richtige Weg, für andere nicht. Für mich persönlich war es in der Retrospektive definitiv die richtige Wahl. Ich fasse hier mal die wichtigsten Punkte zusammen, die für oder gegen ein Studium sprechen, wenn man ans Programmieren rangeht.

  • Die Motivation und die Sebstsicherheit Ja, ich geb Dir recht, Motivation und ein gesundes Maß an Selbstvertrauen sind wichtig. Aber nicht jeder sprüht vor Tatendrang und denkt er wäre ein Halbgott an der Tastatur. Ich für meinen Teil verbringe meine Freizeit meistens mit Feiern oder verfeiert sein und kann mich nur gaaaaanz schwer motivieren, zu Hause produktiv zu sein. Die Programmieraufgaben, die ich während meines Studiums erledigen musste, musste ich allerdings auch wirklich abgeben, um meine Scheine zu kriegen. Genau diesen Druck habe ich gebraucht. Ich bin mir sicher, dass ich ohne das Studium (oder vielleicht auch eine Ausbildung) nie zu dem Punkt gekommen wäre, an dem ich heute bin - womit wir zum zweiten Punkt kommen. Durch meine unzähligen Abgaben, Klausuren, Vorträge etc. meine ich, dass ich doch schon eine ganze Menge in vielen Bereichen der Informatik weiß. Durch meine Studi-Jobs kam ich mir auch bei meiner ersten Vollzeitstelle wie kein kompletter Vollidiot vor. Ich kann von mir sagen: Ich hab zwar noch viel zu lernen (wie jeder Programmierer, immer), aber ich bin schon einen weiten Weg gegangen.

  • Der Lernstoff Zunächst mal habe ich Programmieren gelernt. Dazu gehören Technologien wie Java, Javascript, C, C++, Python, Git, SQL der Umgang mit Datenbanken oder auch Dinge wie Machine Learning, Bildbearbeitung oder die Erstellung von Lasten- und Pflichtenheften oder die Arbeit mit SCRUM um nur einen Teil zu nennen. Vieles Andere, was ich an der Uni gelernt habe, werde ich in meinem Arbeitsleben nicht mehr brauchen und einige Kurse sind tatsächlich komplett überflüssig. Anderes wiederum kam mir schon komplett überflüssig vor, bis ich in der Arbeit dann doch darüber gestolpert bin. Und machmal ist die Theorie eben doch hilfreicher als gedacht. Wenn man nicht nur weiß, welche Codezeile man schreiben muss um das gewünschte Ergebnis zu erreichen, sondern auch was "unter der Haube" passiert, dann hilft das manchmal ungemein - sei es beim Entdecken von Bugs, zur Optimierung von Code oder bei der Komzeption eines neuen Projektes. Kurzum: Man sieht und lernt schon ungemein viel, auch wenn einiges davon sicher umsonst ist.

  • Das Studi-Sein Ich hab meine Zeit als Studi lange Zeit genossen, Man ist einfach nicht so gebunden wie mit einem 40h-Job. Ich muss aber auch sagen, dass ich mich gegen Ende des Studiums immer mehr danach gesehnt habe, endlich fertig zu sein. Denn das hat halt auch seine Nachteile: Dauernd gibt es irgendwelche Abgaben und man hat einfach nie Geld. Das ist im Job schon anders. Und man braucht halt auch seine 4-6 Jahre, die man unbezahlt darben muss.

  • Der Wert des Zeugnisses Hier muss ich Dir recht geben, Praxis ist mehr Wert als irgendwelche Wische. Wobei die sicher auch nicht ganz umsonst sind. Ein abgeschlossenes Studium kann auch die ein oder andere Tür öffnen. Ich habe mit meinem Werdegang auf jeden Fall kein Problem, gute Jobs zu finden.

Mein Fazit zum Informatik-Studium: Wenn Du voller Motivation bist und Dich leicht motivieren kannst, dann bring dir Programmieren selbst bei, Praxis schlägt Lehre. Aber wenn Du eher jemand bist, der Druck von außen braucht, dann solltest Du dir definitiv überlegen, ein Studium oder eine Ausbildung zu machen.

Tipps und Tricks

Wie schon gesagt, Google ist Dein bester Freund. Dazu noch eine Seite, die ich sehr ans Herz legen kann: StackOverflow. Hier ist eine Riesen-Programmierer-Community unterwegs und es gibt auf (fast) alle Fragen eine Antwort. Scheut euch nicht, selbst Fragen zu stellen, die Community hilft schnell und hat einiges auf dem Kasten. Außerdem möchte ich Euch ans Herz legen, euch früher oder später mit Frameworks zu beschäftigen. Gut in Java oder Javascript zu sein ist die eine Sache. In den meisten Unternehmen werden allerdings Frameworks verwendet, die auf den Sprachen aufbauen und als Jobqualifikation unabdingbar sind, und die dem Programmierer - wenn man sie denn einmal gelernt hat - das Leben auch um einiges leichter machen. Frameworks, die ich Euch ans Herz legen kann:

  • Spring Massives Framework für Java für die Webentwicklung. Hat eine hohe Lernkurve aber kann unglaublich viel
  • Vue Der Rising Star bei den Javascript-Webframeworks. Zwar benutzen heute noch viele Entwickler React und Angular, aber Vue gewinnt unglaublich an Popularität, weil es einfach leichter zu lernen und besser zu benutzen ist. Darüber könnte man einen eigenen Artikel schreiben...

Und sonst so?

Wenn ich mal Zeit und Muße finde, werde ich mein FAST fertiges Git-Repo zur automatischen Erkennung von Fake News fertigstellen und hier verlinken 😃

Nächstes Kapitel:
Code ist ein Werkzeug